Supermärkte dicht am Gründonnerstag, ALG2-Berechtigte in Angst am Ende des langen Lockdown-März‘, Ostern ohne Brot

Merkel geht Einkaufen im Lockdown

Kein Aprilschmerz: Die Beschlüsse der Ministerpräsidenten-Konferenz haben mir heute Mittag die Tränen in die Augen getrieben. Vor Wut, Angst und Traurigkeit. Wut über die Arroganz der Regierenden, Angst vor Hunger und leeren Regalen und eine tiefe Traurigkeit über die brutale Ignoranz der Entscheider:innen, die zu diesen wirklich menschenverachtenden Oster-Lockdown-Beschlüssen geführt haben müssen. Denn wer am 31. März kein Geld mehr hat, darf laut Planung der Regierung bis Samstag darbend warten, um sich mit Lebensmitteln eindecken zu dürfen und zu können, und das Einkaufen findet dann voraussichtlich in dicht gedrängten, überfüllten Supermärkten statt. Es ist absolut unverständlich, warum die sechs Tage „Osterlockdown“ nicht erst am Karfreitag, also am 2. April gestartet werden. Einkommensschwache Haushalte können sich am 31. März nur schwer ein erspartes Budget aus der Rippe schneiden, um für fast eine Woche Vorräte organisieren zu können. Das Jobcenter meint indes, man müsse mit dem ALG2-Geld bis zum 31. März hinkommen. Das kann mensch schaffen, aber dann ist wirklich Schluss. Das Geld kommt bei den meisten wohl erst am 1. April aufs Konto, weil der Gründonnerstag kein Feiertag ist. Leere Taschen und leerer Magen sind die Folgen.

Update vom 24. März 2021: Osterlockdown/ Osterruhe wird rückgängig gemacht!

„Die Idee zu der erweiterten Osterruhe sei „mit bester Absicht entworfen worden“. Sie sei aber in der Kürze der Zeit nicht gut umsetzbar gewesen. Viel zu viele Fragen hätten nicht gelöst werden können. Aufwand und Nutzen der sogenannten Osterruhe hätten in keinem vernünftigen Verhältnis gestanden. Sie verwies auf Fragen zur Lohnfortzahlung und der Situation in Geschäften und Betrieben. Im Anschluss wurde Merkel zur Befragung im Bundestag erwartet.“

Taz, 24.03.2021

„Ein Rücktritt ist unsinnig: Merkel hat Verantwortung für einen Fehler übernommen, den alle 16 Ministerpräsident:innen mitgetragen haben. Das ist keine Schwäche, sondern eine Stärke der Kanzlerin. Wichtig ist, dass der Fehler jetzt korrigiert wird.“

Dr. Karamba Diaby, SPD, Twitter

„Die Idee der Osterruhe war ein Fehler. (…) Gleichwohl weiß ich natürlich, dass der gesamte Vorgang zusätzliche Verunsicherung auslöst, das bedaure ich zutiefst und dafür bitte alle Bürger:innen um Verzeihung.“

Angela Merkel, Tagesschau

„Kanzlerin Merkel hat eben in der Schalte mit den Ministerpräsidenten laut Teilnehmern erklärt, die Osterruhe werde rückgängig gemacht: „War ein Fehler, ich trage dafür die Verantwortung““

Florian Gathmann, Twitter

„Es kann doch auch ein Zeichen der Stärke sein, wenn man einen Fehler eingesteht und schnell revidiert – sich entschuldigt.“

Andreas Lenz, CSU, Twitter

Dass die Regierenden letzte Nacht an diese existenziellen Alltagssorgen nicht gedacht haben, werde ich diesen verantwortungslosen Verantwortlichen nicht verzeihen können. Der Grund: Ich hab heute Angst am Gründonnerstag hungern zu müssen, denn an dem Tag, wenn das ALG2-Geld vom Jobcenter aufs Konto gelandet sein muss, müssen die Supermärkte auf Anweisung der Bundesregierung ihre Tore geschlossen halten.

„Ebenso sollen die zusätzlichen Ruhetage zu Ostern umgesetzt werden. Vom 1. bis einschließlich 5. April, also von Gründonnerstag bis Ostermontag, soll das öffentliche, private und wirtschaftliche Leben weitgehend heruntergefahren werden, um die dritte Welle der Pandemie zu brechen. Das beschlossen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder in einer mehr als elfstündigen Marathonsitzung in der Nacht zum Dienstag.“

RBB24

Auf Spätis auszuweichen, mir Essen liefern zu lassen, kann ich mir als ALG2-Berechtigter aber einfach gar nicht leisten. Das Haushaltsgeld muss schließlich bis zum Ende des Monats April reichen. Der von SPD groß gefeierte Corona-Zuschuss in Höhe von 150 Euro wird übrigens erst im Mai 2021 ausgezahlt. Wut und Frust keimen auf, aber vor allem diese tiefe Traurigkeit über die Arroganz der Macht. Ignoranz gegenüber den Sorgen und Nöten von Gering- und Garnichtsverdiener:innen, die im Lockdown kaum Chancen haben, einen Arbeitsplatz zu finden, um nicht vom Jobcenter abhängig zu sein.

Pleite am Ende des Monats, keine Vorräte mehr, wenn ALG2 kommt sind Supermärkte dicht vor Ostern. Regierende ignorieren arrogant die Alltagssorgen der Ärmeren.

Den Armen in den Supermärkten Ende des Monats noch schnell die Günstig-Nudeln und Hygieneartikel wegkaufen kurz vor Ostern. #Hamstern #Vorratshaltung

Mittwoch vor Gründonnerstag, werde ich noch gar kein #ALg2-Geld haben, um im Supermarkt Lebensmittel statt #Duplo und Klopapier kaufen zu können, oder es wird knapp und dann übervoll. Der Osterlockdown macht mir Angst. Bin eh schon fertig mit den Nerven. Es ist zum Heulen.

Dass die Regierenden nicht an Menschen denken, die nächste Woche und dann über Gründonnerstag und Karfreitag und Ostern von den Resten diese Woche leben müssen, verzeihe ich diesen Bürokratie-Monstern nicht.

#ALG #Osterlockdown #Gründonnerstag

„Hätte man seinerzeit meiner Mutter gesagt: „Du musst von dem Geld, das du am Ende des Monats hast, Lebensmittel für eine Woche auf Vorrat kaufen.“ hätte sie hysterisch gelacht. Hauptsache, man kann weiter ungetestet ins Großraumbüro. Weil… „Supermärkte sind das Problem“.

Martina Weisband (Twitter)

#ALG2 kommt erst am 1. April (Gründonnerstag) , meint der unfreundliche Typ an der Jobcenter-Hotline: „Sie haben die Möglichkeit Samstag einzukaufen.“ #Supermärkte#Osterlockdown

Jobcenter sei über Osterlockdonwn nicht informiert, sagte freundlichere Mitarbeiterin beim zweiten Anruf: Geld kommt erst am 1. April (#Gründonnerstag), rufe jetzt Bundeskanzleramt an:

☎️

030 182722720 – was das soll?

„Leider sind zur Zeit alle ‚Mitarbeiter‘ im Gespräch, bitte haben sie einen Moment Geduld…“ Bei Minute 22:00 ging entsetzte Mitarbeiterin ran – sie klang verzweifelt. #Bundeskanzleramt:

Die Arroganz der Macht ist nur noch traurig. Zum Glück habe ich nichtarme Freunde, die helfen, aber dass die Regierenden (@hubertus_heil) nicht an die Alltagssituation von Gering- und Garnnichtsverdienenden denken, ist zum Weinen. #Supermärkte #Klassismus #gründonnerstag #ALG2

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